Das Clay-House-Project
Sodi e.V. und das „Clay House Projekt“ verhelfen dem Lehmbau zum Durchbruch (30.04.2009)
Selma Mufungu steht, ihre Tochter auf dem Arm, im Vorraum des Clay House Büros. Sie wartet darauf, auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch von Tertu Shilongo, der Büroleiterin des Clay House Projektes, Platz nehmen zu können. Noch sind drei Frauen vor ihr in der Reihe, die sich ebenfalls in dem Clay House Interessentenbuch eintragen möchten.
Mit dem Eintrag in das Buch dokumentiert Selma Mufungu ihre Hoffnung irgendwann Besitzerin eines Lehmhauses werden zu können.
Als sie endlich an der Reihe ist, werden ihre persönlichen Daten sowie die ihrer Familie in das Buch aufgenommen und dort zusammen mit der Nummer ihres Personalausweises dokumentiert.
Während der Prozedur des Eintragens erklärt Tertu Shilongo, dass mit der Aufnahme in das Buch keinerlei Rechte auf ein Lehmhaus abgeleitet werden können. Doch das hat sich in Otjiwarongo längst herumgesprochen. Die Menschen wissen, dass es diesmal darum geht ihren Bedarf an Wohnraum zu dokumentieren. Fast alle Menschen, die sich in das Buch eingetragen haben, leben zur Zeit noch in einem sogenannten Shack. Einer Behausung die aus Wellblechteilen und Plastik notdürftig zusammengezimmert ist. Obwohl sie wissen, dass es nicht um einen Rechtsanspruch geht, verbinden viele mit dem Buch die Hoffnung bei einem der nächsten Hausbauprojekte begünstigt zu werden. Aus diesem Grunde haben sich bisher fast 1.500 Familien und Lebensgemeinschaften und allein erziehende Frauen in das Clay-House Buch eingetragen.
Immer wieder kommt es dazu, dass Tertu Shilongo Anzahlungen, die Interessenten bei der Eintragung gleich in Bar leisten wollen, zurückweisen muss. Diese Bereitschaft der Menschen sich durch eine Anzahlung das Recht auf ein Lehmhaus sichern zu wollen, ist einer der größten Erfolge für das Projekt. Denn damit zeigt sich, welchen Wert die Menschen in Otjiwarongo mittlerweile einem Lehmhaus beimessen. Das war noch vor wenigen Jahren gänzlich anders. Die Lehmhäuser mussten fast zur Gänze subventioniert werden, da man der Lehmtechnologie äußerst skeptisch gegenüber stand. Nun aber drückt sich der Wunsch ein eigenes Lehmhaus zu besitzen in den steigenden Preisen aus, die auf dem Markt für ein Lehmhaus gefordert und auch bezahlt werden.
Bereits in dem zur Zeit laufenden Hausbauprojekt, das durch den SODI e.V. und das Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) finanziert wird, mussten die Begünstigten 7.500 N$ als Barleistung erbringen. Weitere 22.000 N$ sind für das Grundstück, die zum Haus gehörige Toilette und den Kredit für das Haus an die Kommune Otjiwarongo zurückzuzahlen.
Trotz dieser hohen Eigenleistungen standen die Menschen, als es um die Eintragung in die Liste der Hausbewerber ging, vor dem Clay House in einer langen Reihe an.
Nicht zuletzt die hohen Eigenleistungen sind es, die dazu führen, dass die neuen Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer dringend auf eine Erwerbstätigkeit angewiesen sind. Ohne bezahlten Job ist der Kredit der Stadt kaum zu tilgen. Dies ist einer der Gründe, warum die Eigenleistungen der Begünstigten beim Bau der Häuser minimal waren. Wer aber Probleme hatte den Betrag in Höhe von 7.500 N$, der bei Übergabe des Hauses in Bar zu leisten war bzw. ist, aufzubringen, konnte als bezahlte Hilfskraft auf der Baustelle Beschäftigung finden. Dies ist leichter handhabbar und abzurechnen als Eigenleistungen, die meist außerhalb der normalen Bautätigkeit erfolgen und daher nur schwer zu kontrollieren sind.
Letztlich spielt es keine Rolle, auf welche Weise die Begünstigten ihre Eigenleistung erbringen. Ob Arbeitsleistung oder Finanzbeitrag für das Projekt bleibt es im Ergebnis gleich. Doch aus Sicht der Nachhaltigkeit des Projektes ist ein Finanzbeitrag die bessere Lösung. Da er in der Regel aus einer Beschäftigung resultiert, wird durch ihn der Wert deutlich, den das Wohnen in einem Lehmhaus für die Menschen in Otjiwarongo hat.
Wer bereit ist sein „Erspartes“ in ein Lehmhaus zu investieren zeigt Vertrauen in eine Technologie, die vor einigen Jahren noch mit dem Makel der „Rückständigkeit“ und „Minderwertigkeit“ behaftet war.
Wie sehr sich die Einstellung der Menschen geändert hat, beweist die zunehmende Zahl der einfachen Lehmbauten, mit denen die Menschen ihre Shacks in den informellen Wohngebieten von Otjiwarongo erweitern oder verbessern. Wo früher ausschließlich Wellblechhütten zu sehen waren, findet man heute immer mehr kleinere Lehmbauten. Nicht umsonst also haben in den letzten Jahren über 1.000 ungelernte Kräfte in den Hausbauprojekten, die vom SODI e.V. bei verschiedenen Geldgebern beantragt worden waren, eine Ausbildung im Lehmbau erhalten. Nun wenden sie das erworbene Wissen zum eigenen Vorteil an und sorgen dabei ob gewollt oder ungewollt für die Ausbreitung der Lehmtechnologie.
Für das Clay House Projekt bedeutet diese erfreuliche Entwicklung, dass das jahrelange Ringen um Akzeptanz endlich von Erfolg gekrönt ist. Die Zeiten, in denen Menschen überredet werden mussten in ein Lehmhaus zu ziehen, gehören damit endgültig der Vergangenheit an.
Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Projekte des SODI e.V. und ihr namibischer Partner, das Clay House Projekt, den soliden Grundstein gelegt.
Die nationale Strategie Namibias für die Versorgung der Bevölkerung mit sanitären Anlagen bis zum Jahre 2015
Anfang des Jahres 2009 ließ das Ministerium für Landwirtschaft, Wasser und Forsten, eine Analyse der gegenwärtigen Situation der Sanitärversorgung in Namibia durchführen. Das Evaluationsteam legte am 3. März 2009, im Rahmen eines Strategieworkshops, eine Situationsanalyse vor, an Hand derer die Strategie der Jahre 2010-2015 erarbeitet wurde.
An dem Workshop in Windhoek nahmen 45 Verantwortliche verschiedenster Organisationen und Ministerien aus den Bereichen Wasser- und Abwasser, Sanitärsysteme und Gesundheitsversorgung teil.Die vorgestellten Basisdaten über den aktuellen Stand des Bedarfes in Namibia zeigten eine gewaltige Lücke bei der Versorgung mit Sanitärsystemen auf. Besonders in den ländlichen Regionen des Landes sowie den informellen Siedlungen am Rande der Städte ist eine dramatische Unterversorgung der Bevölkerung mit Toiletten festzustellen. So verfügen z. B. in den nördlichen Regionen wie Caprivi, Kavango, Kunene, Omusati und Ohangwena ca. 90 % der Menschen über keine Toiletten. Insgesamt, so die Statistik müssen bis zum Jahr 2015 mindestens 150.000 Toiletten gebaut werden, will man ca. 66 % der Bevölkerung mit Sanitäreinrichtungen versorgen.
Die Zahl 66 % bzw. 150.000 Toiletten ist nicht willkürlich gewählt. Der Bau von 150.000 Toiletten würde exakt der Verwirklichung der Millennium Entwicklungsziele Namibias für das Jahr 2015 entsprechen. Für eine Umsetzung der sogenannten “Vision 2030″, in der eine 100%ige Abdeckung des Bedarfes an Toiletten angestrebt wird, müssten gar 400.000 Toiletten gebaut werden.
Schon die Schließung der Lücke von 150.000 Toiletten in den nächsten sechs Jahren (davon 97.500 auf dem Lande, 52.500 in städtischen Gebieten) stellt Namibia vor gewaltige Herausforderungen.
Bei den absehbar beschränkten Haushaltsmitteln zur Umsetzung der Millennium Entwicklungsziele war es für die Evaluierer wichtig, bezahlbare und zugleich ökologischen sowie hygienischen Standards entsprechende Toilettensysteme vorzuschlagen.
Bei allen zu erwartenden Problemen scheint absehbar zu sein, dass Wassertoiletten wegen der hohen Kosten nur in begrenzter Zahl zum Einsatz kommen werden. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle werden verschiedene Formen der Trockentoilette Verwendung finden.
Zurzeit werden in Namibia entweder PIT-Latrines (einfache Plumpsklos), sog. VIP´s (ventilierte Plumpsklos) oder aber die Otji-Toilette in größerem Maßstabe eingesetzt. Die Plumpsklo´s sind aus hygienischen Gründen bedenklich, da eine Verseuchung des Grundwassers nicht auszuschließen ist. So kam es im letzten Jahr während der Überflutungen in der Region Onhangwena zu zahlreichen Cholerafällen, die in Zusammenhang mit der Überflutung der PIT-Latrinen gestanden haben dürften. Demgegenüber wird der Einsatz der Otji-Toilette, wegen ihres hohen Verdunstungseffekt und wegen der getrennten Sammlung der Fäkalien, durch NAM-Water, die nationale namibische Wassergesellschaft, empfohlen.
Während der Situationsanalyse Anfang des Jahres 2009 hatte das Evaluationsteam einen Schwerpunkt auf die Begutachtung der Sanitärsysteme der Städte Outjo und Otjiwarongo gelegt. In beiden Kommunen ist die Otji-Toilette bereits ein wesentlicher Bestandteil des Sanitärsystems. Die Otji-Toilette wird sowohl in Outjo, wie auch in Otjiwarongo in großen Stückzahlen in den Stadtgebieten eingesetzt, die über keine Kanalisation verfügen.
Doch nicht nur die besseren Standards der Otji-Toilette, auch die niedrigeren Kosten für Produktion, Aufstellung und Wartung sind ein Plus für die Toilette des Clay Houses. Die niedrigen Kosten entlasten nicht nur den Staat als Investor, und die Kommunen als Entsorger, sondern vor allem die Benutzer, die kaum in der Lage sind die für eine Wassertoilette anfallenden Kosten aufzubringen.
Ein weiteres Argument, welches für die Otji-Toilette spricht, ist deren Verfügbarkeit. Mit einer Produktionskapazität, die sich momentan auf jährlich 5.000 Toiletten beläuft, ist die Otji-Toilette das einzige preisgünstige Massenprodukt, das momentan einen nennenswerten Beitrag zur Deckung der immensen Lücke an Sanitärsystemen leisten kann.
Es war also absehbar, dass die dreitägige Strategiediskussion in Windhoek der Otji-Toilette einen wichtigen Platz in der nationalen Strategie zuweisen würde.
Zu verdanken ist die Aufmerksamkeit welche die Otji-Toilette mittlerweile genießt, nicht nur ihrer einfachen, aber ausgefeilten technischen Konstruktion. Ihren schnell wachsenden Bekanntheitsgrad verdankt sie u.a. auch einem EU-Projekt, das durch den SODI e.V. beantragt wurde. Durch diesen Antrag konnten mit finanzieller Unterstützung der EU und des SODI e.V. seit Anfang des Jahres 2008 bereits 114 Otji-Toiletten in ganz Namibia installieren werden. Bis zum Ende des Jahres 2012, durch diese Initiative werden weitere 486 Toiletten folgen. Abgesehen von den mit EU-Mitteln geförderten Toiletten wurden bis zum März 2009 insgesamt 647 Otji-Toiletten errichtet.
Für die über 40 Beschäftigten im Clay House Projekt bleibt nun abzuwarten, wann die neu formulierte Strategie umgesetzt werden wird. Dies wird entscheidend davon abhängen, wie schnell oder wie langsam die Mühlen der beteiligten Ministerien mahlen werden. Aber spätestens im Jahre 2010 sollte das Clay House mit größeren Aufträgen zur Produktion der Otji-Toilette rechnen können. Bis dahin werden wir die Zeit nutzen, die Produktionsabläufe unserer Werkstätten zu optimieren und noch effektiver zu gestalten. Denn eines ist klar: Nur ein qualitativ hochwertiges und schnell verfügbares Produkt wird am Markt eine Chance haben.
Wohin selbst der Kaiser zu Fuß geht,
so umschrieb früher der Volksmund den Gang zur Toilette.
An der Tatsache, dass der Gang zu Fuß angetreten wird, hat sich bis heute nichts geändert. Die Methoden sich seiner Exkremente zu entledigen, haben sich jedoch sehr verändert. Die westliche Zivilisation entwickelte die Wasserspültoilette und in deren Folge auch die Abwasserklärung.
Dem gegenüber stehen Milliarden von Menschen, die auf diese vermeintlich fortschrittliche Lösung bislang verzichten müssen.
Die Knappheit der Ressource Wasser und die immensen Kosten der Wasser- und Abwassersysteme, zwingen große Teile der Weltbevölkerung sich anderer Toilettensysteme zu bedienen. Deren Palette ist weit gefächert, genügt jedoch meist nicht den hygienischen Minimalanforderungen. Vom Plumbsklo, über die Komposttoilette bis hin zur Flying Toilet (wobei eine Plastiktüte, die später irgendwo entsorgt wird, als Toilettenersatz dient), oder dem schlichten Gang in den Busch, gibt es eine Vielzahl von „wassersparenden“ Möglichkeiten.
Die nach ihrem Entwicklungsort Otjiwarongo benannte Otji-Toilette dagegen verknüpft die Vorteile des Verzichtes auf Wasser mit den erforderlichen hygienischen Standards.
Mit der an die Verhältnisse wasserarmer und trockener Länder angepassten Technologie, lassen sich viele Fliegen mit einer Klappe schlagen. Durch den Verzicht auf die Wasserspülung entfallen die aufwändigen und teueren Systeme der Abwasserbeseitigung. Die ständig knapper werdenden Wasserressourcen werden geschont. Auch Menschen die sich weder die hohen Wasserkosten, noch die Abwassergebühren leisten können, haben durch die Otji-Toilette eine hygienische und noch dazu erschwingliche Alternative zum Gang in den Busch.
Die unter der Knappheit von Finanzmitteln leidenden Kommunen in den sog. Entwicklungsländern haben durch die Otji-Toilette nun endlich eine Möglichkeit neue Baugebiete zu erschließen, ohne teure Abwassersysteme installieren zu müssen.
Was aber ist es nun das Besondere an der Otji-Toilette, die sich aus gutem Grund einer stark steigenden Nachfrage erfreut.
In einer Trocknungskammer unter dem Toilettenhaus, werden die Fäkalien in einem perforierten Behälter aufgefangen. Die geringen Mengen an Urin versickern oder verdunsten auf Grund einer zur Sonne gerichteten Metallplatte. Alle sechs Monate wird der Fäkalienbehälter ausgewechselt und im hinteren Teil der Kammer ausgetrocknet. Danach können die Fäkalien entweder entsorgt oder zur weiteren Kompostierung gesammelt werden.
Die Toiletten sind mit einem Entlüftungsrohr versehen, so dass Gerüche abgeführt werden. Bei Tag sorgt die Sonneneinstrahlung für die nötige Luftzirkulation, nachts wird (falls die Toilette im Hause untergebracht ist) die Entlüftung durch einen mit Solarkraft betriebenen Ventilator übernommen.
Die Kosten der Otji-Toilette sind weitaus geringer (ca. 400 €) als die aller anderen vergleichbaren Trockentoiletten. Zu dem wird die Toilette niemals voll, wird lokal produziert und schafft damit zugleich Arbeitsplätze.
Die Entlastung der Umwelt (ein 5 Personenhaushalt in Namibia verbraucht durchschnittlich 250 Liter Wasser pro Tag für die Toilettenspülung) ist ein anderer Faktor. Gegenüber einer Wassertoilette spart die Otji-Toilette pro Haushalt jährlich fast 100.000 Liter wertvolles Wasser ein. Ein überzeugendes Argument für eine Kommune wie Otjiwarongo, wo in den nächsten Jahren gefördert durch die Europäische Kommission und Sodi e.V. mindestens 400 weitere Toiletten entstehen. Diese und die bereits 200 vorhandenen Otji-Toiletten ersparen der Kommune die Bereitstellung von jährlich ca. 54.000 m³ Wasser sowie der dazu nötigen Infrastruktur, wie Wasserspeicher, Abwasserrohre und Kläranlagen.
Eine Familie wird durch die Nutzung der Otji-Toilette von jährlich ca. 1.600 N$ an Gebühren entlastet. Eine bedeutende Entlastung gerade für ärmere Haushalte, die in Namibia nur über ein Ø Monatseinkommen von monatlich 700,– N$ verfügen.
Bei der Vielzahl von positiven Argumenten sollte der Siegeszug der Otji-Toilette in Namibia kaum aufzuhalten sein. Aber nicht nur für Namibia ist die Otji-Toilette ein angepasste, kostengünstige und damit nachhaltige Lösung der Abwasserprobleme. Auch für die Nachbarstaaten, in denen ähnliche klimatische Bedingungen herrschen, bietet die Otji-Toilette einen günstigen Weg zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in Gebieten ohne sanitäre Grundversorgung.
Kein Wunder also, dass das Clay-House-Projekt seine Produktionskapazitäten jedes Jahr aufs neue vervielfachen muss.
1. Bericht zum Bau von Lehmhäusern
Es hat ein wenig gedauert, bis ich einen ersten Weg gefunden habe, über das Clay-House-Project zu berichten. Es ist so komplex, wegen der unterschiedlichen Betätigungsfelder und gleichzeitig so wunderbar nahe an den Menschen, dass es auf Anhieb “mein Herz gewonnen” hat. Heute einige Informationen über den Hausbau. Ich hoffe nicht zu ausführlich und noch lesbar. Weiter Berichte zum Trockentoilettenprojekt (die auch ich jeden Tag aufsuche), zur Produktion von Micro-Zement Dachziegeln und zu der Förderung der lokalen Kindergärten demnächst.
- Lehm wird mit Wasser gemischt
- Baustelle
- Lehmziegelproduktion
- Otji-Toilette
Winter in Otjiwarongo
Während in Deutschland die Temperaturen steigen und manche schon bald wegen der Hitze stöhnen werden, hat in Namibia der Winter Einzug gehalten.
Nachts liegen die Temperaturen nur knapp über null Grad. Erst wenn die Sonne höher am Himmel steht, hat sie Kraft genug um den frierenden Körper zu wärmen.
Kurz vor sechs Uhr, der Himmel beginnt gerade hell zu werden, füllt sich die Baustelle des Clay-House-Projektes mit Frauen und Männern, die noch dick vermummt sind. Fast 100 ArbeiterInnen kommen mit ihren Werkzeugen auf das Gelände, wo bis zum Jahresende mehr als 50 neue Lehmhäuser, alle ausgestattet mit einer Trockentoilette, entstehen werden.
Ester Shikongo und Abrosius Ruzzo, beide Vorarbeiter im dem 35 Personen zählenden Team der Festangestellten des Clay-House-Projektes, sind heute für die Arbeitsabläufe auf dem weitläufigen Areal verantwortlich. Abraham der üblicherweise die Baustelle leitet, befindet sich gerade im Süden des Landes, fast 800 km von Otjiwarongo entfernt. Gemeinsam mit drei weiteren Arbeitern des Clay-House-Projekts ist er bei Keetmanshoop mit dem Bau von 15 Trockentoiletten beschäftigt, die im Rahmen eines EU-Programmes erstellt werden.
Ester und Abrosius sorgen während des langen Arbeitstages dafür, dass die Versorgung mit dem zur Durchmischung des Lehms notwendigen Wasser funktioniert, zählen die im Stücklohn hergestellten Lehmziegel und kontrollieren die Qualität der Produktion. Die Ziegel werden dort zum Trocknen ausgelegt und gestapelt, wo später die Häuser gebaut werden. Den Lehm für die Ziegel hat die Gemeinde Otjiwarongo kostenlos angeliefert, da er nahe der Baustelle verfügbar war.
In wenigen Tagen, wenn genügend ausgetrocknete Lehmziegel zur Verfügung stehen, werden die eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Nach dem Ausheben der Gräben für die Fundamente, werden sie mit Lehm gefüllt und gestampft. Danach beginnen die Maurerarbeiten für die unterschiedlichen Haustypen.
Je nach Familiengröße und Einkommen stehen zwei unterschiedlich große Lehmhäuser zur Verfügung. Die Kosten für ein Gebäude mit vier Räumen liegen bei knapp 4.000 Euro. Finanziert werden die Wohnungen in dem Stadtteil Orwetoweni, einem der ärmsten Stadtteile von Otjiwarongo, vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie durch einen Eigenbeitrag von Sodi in Höhe von 800 € pro Haus. Die Familien mit einer durchschnittlichen Kopfzahl von 6 Personen tragen zum Bau eines 48 m² großen Hauses 676 € bei. Weitere 1.500 € müssen sie für das dazugehörigen Grundstück von ca. 300 qm sowie für die Trockentoilette aufbringen. Der Betrag wird von der Stadt Otjiwarongo als Kredit gewährt.
Wie groß der Bedarf für die nach der Fertigstellung schmuck anzusehenden Lehmhäuser in Otjiwarongo ist, zeigt, dass sich seit Mitte Mai 2008 bereits fast 800 Familien in ein Registrierungsbuch eingetragen haben, in welchem die Einwohner Otjiwarongos ihr Interesse an einem Clay-House bekunden können. Zugleich ist die unerwartet große Registrierungswelle ein Beweis dafür, dass die Lehmbauweise mittlerweile von der Bevölkerung hoch akzeptiert ist und sich einer schnell steigenden Beliebtheit erfreut.
Nicht zuletzt sind es die fehlenden Alternativen zwischen einer Blechhütte und einem herkömmlichen Zementhaus, welche die Wahl für ein Lehmhaus leicht werden lässt. Eines Haus aus Zementsteinen ist mit 6.800 € um 70 % teurer als ein Lehmhaus.
Die Mitarbeiter des Clay-House-Projektes hoffen, dass durch die große Zahl an Familien, die ihre Daten in das Registrierungsbuch eingetragen haben, genügend politischer Druck entsteht, damit die Wohnraumprobleme der armen Bevölkerung, die bisher in einfachsten Blechhütten leben müssen, in Zukunft durch die Aufnahme in ein nationales Wohnungsbauprogramm gelöst werden können. Denn permanente Finanzierung von außen kann nicht die Lösung für eines der drängendsten nationalen Probleme Namibias (75% der Bevölkerung leben noch immer in Blechhütten oder anderen Notunterkünften) sein.
Aber egal, ob die notwendigen Gelder von außen oder von Namibia selbst kommen werden, das Clay-House-Projekt wird mit an die Verhältnisse angepassten Technologien seinen Teil zur Lösung der Probleme beitragen.
Natürlich darf die zu spenden Ermunterung nicht fehlen. Ein Haus erfordert 800,– Euro, ein Trockentoilette lediglich 75 Euro an Spenden. Also, lasst euch nicht lumpen. Spenden an Sodi, die Adresse findet ihr gleich auf dem Link nebenan.



