Das lange Warten

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auf mein Arbeitsvisum geht weiter. Aber ich bin nicht alleine mit dem Problem, denn erst gestern konnte man in der AZ lesen, dass viele Betriebe in Namibia ihre wirtschaftliche Entwicklung durch die restriktive Visaerteilung (im Prinzip werden zurzeit so gut wie keine Arbeitsvisa bewilligt) behindert sehen. Das ist zwar kein rechter Trost, macht mich aber zu einem Fall von Vielen. Zudem ist der Sommer in Deutschland mit viel Sonnenschein gesegnet und vorläufig kann ich auf die kalten und langen Nächte in Namibia noch gut verzichten.

In der Warteschleife

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Tröten für Deutschland auf dem Marktplatz in Darmstadt

Tröten für Deutschland ( Marktplatz in Darmstadt)

Obwohl der Frust wegen der verweigerten Visa zunächst tief saß, der geniale Sommer in Deutschland entschädigt dafür mehr als reichlich. Keine kalten Winternächte mehr, dafür Sommer, Sonne, Schwimmbad, Public Viewing und viel Spaß mit den Freunden.

So sitze ich also in einer Warteschleife, die durchaus erträglich ist und bin gespannt, ob und wann man mich wieder nach Namibia lässt.

Selbst wenn die zugesagte Unterstützung der deutschen Botschaft und der EU etwas bewirken sollte, die Bürokratie in Namibia hat keine Eile, schon gar nicht, wenn es um Visa für Europäer geht. Die Ablehnung meines Pensionär-Visums hat man mir 15 Monate nach der Antragstellung mitgeteilt. Schnell geht anders. Und der Neuantrag meines Arbeitsvisums (das Letzte wurde mit der Begründung abgelehnt, dass wir Namibier einstellen sollten) wird voraussichtlich mindestens zwei Monate Bearbeitungszeit benötigen. Ob am Ende der Bearbeitung ein Ja oder ein Nein stehen wird, ist ungewiss, denn das Ministerium ließ sich auch beim letzten Antrag nicht davon beeindrucken, dass ich ehrenamtlich arbeite und auf dem namibischen Arbeitsmarkt keine qualifizierten Kräfte zu bezahlbaren Gehältern zu finden sind.

Doch solange das Wetter so schön ist und die deutschen Fußballer so gut spielen, fiebere ich mehr dem nächsten WM-Spiel, als meinem Visum entgegen.

Hörvergnügen

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NBC-RADIO

NBC-RADIO

Die Winternächte in Namibia sind lang. Viel Zeit zu lesen, sich Gedanken zu machen, Kreuzworträtsel zu lösen, mit den immer vor der Tür sitzenden Katzen zu sprechen, oder aber Radio zu hören.

Sender mit Wortbeitragen, außer den obligatorischen Nachrichten, die oft nicht einmal als informativ bezeichnet werden dürfen, gibt es wenige. Ob nun Minister oder Ministerin XYZ an die Bevölkerung appelliert hart zu arbeiten, damit Namibia die Ziele der Vision 2030 erreicht oder nicht, interessiert vermutlich maximal 0,001 Prozent der Bevölkerung im Lande und schlimmstenfalls nur die Minister selbst, die sich zu derart inhaltslosen, aber höchst beliebten Statements hinreißen lassen.

Welch ein Glück also, dass es die deutschsprachigen Sendungen von NBC (Namibian Broadcasting Corporation) gibt. Hier erfährt man nicht nur viel über die Seelenlage der deutschstämmigen Bevölkerung, sondern auch Aktualitäten aus aller Welt, die vom Deutschlandfunk übernommen werden. Äußerst beliebt sind Ratesendungen und natürlich gibt es diverse Musiksendungen. Von Klassik bis zu Jazz reicht das Angebot, das äußerst fachkundig moderiert wird. Für Sendungen wie „Wünsch’ Dir was“, in denen bevorzugt Titel aus der verschnulzten Welt der sechziger und siebziger Jahre laufen und die selbst versteinertes Ohrenschmalz verflüssigen können, gibt es glücklicherweise den Ausschaltknopf. Doch das beschränkte Senderangebot hat auch Vorteile. Denn immer wieder bleibt man, manchmal aus Bequemlichkeit, manchmal aus Neugierde, bei Musiksendungen hängen, die bei einem größeren Angebot ungehört geblieben wären und die sich bei genauerem Hinhören als Bereicherung erweisen.

Weniger bereichernd, allenfalls ob ihrer ungewollten Komik, aber dennoch interessant ist die beliebte Sendung „Der Telefonhörer“. Hier darf geschimpft und kritisiert werden, wovon viele Hörer Gebrauch machen. Obwohl die Regeln des Anstandes und der politischen Correctness gewahrt werden sollen, kommt es immer wieder zu emotionalen Ausbrüchen, die einem entweder ein lautes Lachen entlocken oder ein wenig das Blut in den Adern stocken lassen. Wenn z. B. Hörer unwidersprochen die Meinung verkünden dürfen, dass der 2. Weltkrieg ja nun „leider unglücklich“ verloren worden sei, dann hört der Spaß irgendwie auf und es verfestigt sich das Bild, dass sich in Südwest überproportional viele politisch (um es milde auszudrücken) Zurückgebliebene versammelt haben.

Insgesamt ist den MacherInnen des deutschen Hörfunkprogrammes, das mich an vielen Punkten an die liebenswerte Unprofessionalität der Bürgerradios in Deutschland erinnert, ein großes Kompliment zu machen. Das Radio ist ein wichtiger „Kulturträger“ und hilft die Identität der deutschsprachigen Minderheit zu bewahren und diese untereinander zu vernetzen. Fast Jeder kennt Jeden und so ist es kein Wunder, dass sowohl bei Hörerwünschen als auch bei den kritischen Bemerkungen in der Sendung „Der Telefonhörer“ nahezu die meisten der Anrufer persönlich bekannt sind. Schließlich ist die deutsche Gemeinschaft in Namibia nicht viel größer als meine Heimatgemeinde Pfungstadt mit ihren knapp über 25.000 Einwohnern.

Trötende Begeisterung

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Vuvuzela - höllisch laute Tröte

Vuvuzela - höllisch laute Tröte

Das WM-Fieber hat auch Otjiwarongo erreicht. Zumindest die Schulkinder. Seit heute Morgen kurz vor 7 Uhr ist unser Stadtviertel Orwetoveni in eine Lärmwolke gehüllt. Von allen Seiten dröhnen bzw. tröten die Vuvuzelas, Südafrikas neuer Exportschlager in Sachen Lärmerzeugung. Da heute die WM offiziell eröffnet wird, nehme ich an, dass der Lärmteppich, der Orwetoveni flächendeckend überzieht, das Wohlwollen der Schulleitungen hat. Falls nicht, dann blasen die Kinder wahrscheinlich so energisch, weil die Betätigung der Vuvuzela die Kälte vergessen lässt, die heute herrscht. Erstmals sind die Temperaturen auf knapp über null Grad gesunken und das Tröten hilft sicher dabei, die Kälte als weniger schlimm zu empfinden. Vielleicht doch ganz gut, dass ich ausreise. Auf diese Weise werde ich ohne bleibende Hörschäden (jedenfalls noch schlimmere als ich sie ohnehin schon habe) davon kommen.
Anders sieht es dagegen bei den Besuchern der WM in Südafrika aus. Diese haben gut Chancen mit durchtröteden Trommelfellen aus den Stadien zurückzukommen. Vermutlich reiben sich die Ohrenärzte in aller Welt bereits in Vorfreude die Hände.


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